
Was ist Neurodivergenz?
Der Begriff Neurodivergenz ist ein Sammelbegriff für verschiedene neurologische Besonderheiten und Entwicklungsvarianten. Dazu zählen unter anderem das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS), Autismus, Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie), Rechenschwäche (Dyskalkulie) sowie weitere neurologische Unterschiede.
Neurodivergenz beschreibt eine vom statistischen Durchschnitt abweichende Entwicklung des Gehirns. Diese Abweichungen können sich auf unterschiedliche Bereiche auswirken. So reagieren beispielsweise Nervenzellen (Neuronen) anders auf Reize. Manche Reize werden nicht ausreichend gefiltert, während andere in bestimmten Situationen zu stark wahrgenommen werden. Im Einkaufszentrum kann dadurch alles gleichzeitig zu laut, zu hell und zu überwältigend wirken. Gleichzeitig kann es aber passieren, dass man beim Ausüben eines Lieblingshobbys stundenlang konzentriert bleibt und gar nicht bemerkt, dass man Hunger oder Durst hat.
Jede Form von Neurodivergenz bringt eigene Herausforderungen, aber auch besondere Stärken mit sich. Einige Beispiele:
ADHS: Menschen mit ADHS lassen sich leicht ablenken. Man sitzt gerade an einer wichtigen E-Mail, hört ein ungewöhnliches Geräusch und widmet diesem sofort die volle Aufmerksamkeit – während die E-Mail liegen bleibt. Das kann im Alltag schwierig sein, birgt jedoch auch Vorteile: Menschen mit ADHS entgeht selten ein Detail. Sie bemerken Veränderungen, die anderen oft gar nicht auffallen.
Autismus-Spektrum: Viele autistische Menschen entwickeln sogenannte Spezialinteressen – Themen oder Tätigkeiten, die sie mit großer Leidenschaft und Intensität verfolgen. Das kann dazu führen, dass andere Lebensbereiche zeitweise vernachlässigt werden, was im Schul- oder Arbeitsalltag problematisch sein kann. Gleichzeitig liegt darin eine große Stärke: Innerhalb kurzer Zeit erwerben autistische Menschen tiefgehendes Wissen und werden zu Expert*Innen in ihrem Interessengebiet.
Anstatt also nur die Schwierigkeiten einer neurologischen Besonderheit zu betonen, eröffnet der Begriff Neurodivergenzeine andere Perspektive: Er macht sichtbar, dass jede Form der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung sowohl Herausforderungen als auch wertvolle Ressourcen mit sich bringt. Während die Mehrheit der Menschen als neurotypischbezeichnet wird – also einer typischen neurologischen Entwicklung entspricht –, unterscheidet sich die Lebens- und Wahrnehmungsweise neurodivergenter Menschen in vielerlei Hinsicht. Das kann Missverständnisse und Konflikte verursachen, bereichert aber gleichzeitig unsere Gesellschaft durch besondere Fähigkeiten, Perspektiven und Kreativität.
Sie vermuten, neurodivergent zu sein, oder haben bereits eine entsprechende Diagnose? In einer psychologischen Beratung unterstütze ich Sie dabei, Herausforderungen zu bewältigen und Ihre individuellen Stärken zu nutzen. Vereinbaren Sie gerne ein Erstgespräch – gemeinsam finden wir den passenden Weg.